Prof. Dr. Thomas Hengartner, Professor für Populäre Kulturen

verstorben am 10. Mai im Alter von 57 Jahren.

Thomas Hengartner wurde 2010 zum Ordinarius der Universität Zürich ernannt, 2016 übernahm er die Leitung des Collegium Helveticum.

 

Geboren in St. Gallen, absolvierte Thomas Hengartner bereits in jungen Jahren eine erfolgreiche akademische Karriere. In Bern noch in der klassischen Volkskunde und Dialektologie ausgebildet und zugleich im überfachlichen Horizont der Geschichts- und Literaturwissenschaften zuhause, legte er früh den Grundstock zu einer breit angelegten Forschungstätigkeit. In ihr verband er so unterschiedliche Forschungsfelder wie die Arbeit über Religion und Alltagswelt (in seiner Dissertation, 1990), die kulturwissenschaftliche Stadtforschung (in der Habilitation, 1996) oder die Untersuchungen zu Genussmitteln und Konsumkulturen.

In der wissenschaftlichen Analyse und Interpretation des Verhältnisses von Technik, Kultur und Alltag setzte Thomas Hengartner bedeutende Akzente. Neben der Stadtforschung und der Untersuchung neuer Kommunikationsgewohnheiten gehörte die kulturwissenschaftliche Technikforschung zu seinen Schwerpunkten. Sie ist heute untrennbar mit seinem Namen verbunden. Ermutigt durch den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft, den Thomas Hengartner 2002 erhielt, trieb er diesen Forschungszweig ideenreich und mit Elan voran. An der Universität Hamburg, wo er bis 2010 seine erste Professur innehatte, gründete der gebürtige St. Galler das Forschungskolleg «Kulturwissenschaftliche Technikforschung».

2010 folgte er einem Ruf an die Universität Zürich, wo er als Ordinarius für Volkskunde das Institut für Populäre Kulturen leitete. 2014 wurde er Direktoriumsmitglied des neu gegründeten Instituts für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK). Aufgrund seiner wissenschaftlichen Expertise war er geschätztes Mitglied in diversen Fach- und Steuerungsgremien. So war er unter anderem Mitglied des Ausschusses des Stiftungsrates des Schweizerischen Nationalfonds. Zudem übernahm er 2012 das Amt des Prodekans Forschung der Philosophischen Fakultät der UZH.

Thomas Hengartner liess sich von transdisziplinären Ansätzen leiten und arbeitete begeistert mit Kolleginnen und Kollegen aus den Technik- und Naturwissenschaften zusammen. Ab 2016 leitete er das Collegium Helveticum. Das Laboratorium für Transdiziplinarität der UZH, der ETH Zürich und der ZHdK fördert die Begegnung und den Dialog verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen.

Auch die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse an eine breite Öffentlichkeit war Thomas Hengartner ein grosses Anliegen. In Ausstellungen etwa zur Telekommunikation oder der Religiosität im Alltag gelang es ihm, komplexe Sachverhalte verständlich zu machen.