Prof. Dr. David Haim Shmerling, Titularprofessor für Kinderheilkunde

Verstorben am 19. Mai 2020 im Alter von 91 Jahren.

 

David Haim Shmerling wies als erster Forscher nach, dass die der Zöliakie zugrunde liegende Glutenunverträglichkeit auch im Jugend- und Erwachsenenalter weiterbesteht. Und er beschäftigte sich mit den Problemen bei der Cystischen Fibrose. 

David Haim Shmerling wurde in Tel Aviv geboren und wuchs dort auf. Während seines Medizinstudiums siedelte er nach Westeuropa über, wo er das Studium in Genf, Montpellier und Zürich fortsetzte. Nach dem Abschluss an der UZH folgten fünf Jahre als Assistenzarzt in Zürich, Genf und Haifa, unterbrochen durch längere Militärdienste als Sanitätsoffizier in Israel. 

1959 trat David Haim Shmerling als Assistenzarzt ins Zürcher Kinderspital ein. Nach vier Jahren Weiterbildung in allgemeiner Pädiatrie wandte er sich 1963 dem Spezialgebiet der pädiatrischen Gastroenterologie zu, zuerst als Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds, später als Oberarzt. So wurde er der erste hauptamtliche pädiatrische Gastroenterologe in Zürich und in der Schweiz. 1970 habilitierte er sich an der der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich, wurde zum Privatdozenten ernannt und erhielt die Venia legendi. 1976 erfolgte die Ernennung zum Titularprofessor. 1996 trat David Haim Shmerling altershalber in den Ruhestand. 

Die Forschung von David Haim Shmerling betraf verschiedene klinische Methoden zur Diagnostik gastroenterologischer Störungen, insbesondere die morphologische Klassifikation von Dünndarmschleimhautveränderungen bei der Zöliakie. Er wies als Erster nach, dass die dieser Krankheit zugrunde liegende Glutenunverträglichkeit auch im Jugend- und Erwachsenenalter weiterbesteht. Ein weiteres wissenschaftliches Interesse Shmerlings galt den Ernährungs- und Resorptionsproblemen bei der Cystischen Fibrose und der Rolle, die dabei Antioxidantien und Vitamine spielen. 

Seine Forschung brachte David Haim Shmerling grosses Ansehen in der internationalen Pädiatrie und Gastroenterologie ein. Er war Mitinitiant und Mitglied der europäischen Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung, Mitglied vieler Gesellschaften und Kommissionen, begehrter Referent an Kongressen und Berater in wissenschaftlichen, ärztlichen und persönlichen Belangen für eine grosse Zahl ausländischer Kollegen. 

(Quelle: Andreas Fanconi, Personelles – zum Rücktritt von Prof. David H. Shmerling, Kinderspital Zürich, 1996)