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Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft

Warum dieser Master?

Die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (AVL) untersucht Literatur sowohl in ihrer jeweiligen Eigenart als auch sprachübergreifend in ihrer Vielfalt und den darin sich abzeichnenden Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Im Bereich der Allgemeinen Literaturwissenschaft verfügen die Absolvent:innen des Studien-programms über vertiefte Kenntnisse im Bereich der Poetik und literarischen Ästhetik. Im Bereich der Vergleichenden Literaturwissenschaft sind die Absolvent:innen in der Lage, Beziehungen zwischen Texten unterschiedlicher Sprachen sowie der Literatur im Dialog mit anderen Künsten und kulturellen Manifestationen und Prozessen in Form selbständiger Forschungsbeiträge zu analysieren. Die Befähigung zur selbständigen Forschung umfasst neben analytischen Fähigkeiten auch solche zur Darstellung und Vermittlung.

Was lerne ich?

Die literaturwissenschaftlich fundierte Ausbildung in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft (AVL) ermöglicht es, selbstständig oder im Verbund zu forschen (wissenschaftliche Mitarbeit, Doktorat). Weitere Perspektiven ergeben sich im Bereich der Medien (Recherche, Journalismus) sowie der Übersetzungspraxis, in der Verwaltung (Projektleitung, Wissensmanagement), im Kulturbetrieb oder im Bereich der Bildung.

Aktuelle Seminarthemen

Die Zeit der Literatur. Kulturpoetische Perspektiven (Seminar FS22)

Lesen und Schreiben sind vergängliche Prozesse. Sie sind jedoch stets bezogen auf Schrift, die selbst dort, wo in Sand geschrieben wird, eine andere Art von Zeit ins Spiel bringt: in der Regel zwar eine dauerhaftere, oft genug aber auch eine durch Kontingenz bestimmte Zeit, auf die menschliches Handeln nur bedingt einwirken kann. Archive und Bibliotheken können zerstört werden, Codes können unlesbar werden, selbst Inschriften weisen eine relative Vergänglichkeit auf. Wie reagiert die Literatur auf diese Art von Vergänglichkeit, die ihr eigenes Medium sowie den Umgang mit ihm betrifft? Im Forschungsseminar lesen und diskutieren wir literarische und theoretische Texte u.a. von Anna Achmatowa, Hannah Arendt, Charles Baudelaire, Samuel Taylor Coleridge, Emily Dickinson, Stéphane Mallarmé, William Shakespeare und Percy Bysshe Shelley, die sich mit der fragilen Zeit der Literatur und ihrer Lesbarkeit beschäftigen.

Der unschreibbare Text. Poetik der Schreibhemmung (Vorlesung FS22)

«Wenn der Zigarettenrauch in der Spitze und die Tinte im Füllhalter gleich leichten Zug hätten, dann wäre ich im Arkadien meiner Schriftstellerei», schreibt Walter Benjamin an einer Stelle – um seine Leser:innen gerade so, von ganz anderem träumend, an eine bittere Realität zu erinnern: Schreiben, zumal ‹literarisches›, ist nicht selten ein regelrechter K(r)ampf. Und nicht selten muss die Schriftsteller:in dabei am Ende leer ausgehen bzw. das Papier leer bleiben. Im Dialog mit der Psychoanalyse sollen in der Vorlesung konkrete Formen von Schreibhemmung und deren Gründe beleuchtet werden. In einem zweiten, literaturphilosophisch gelagerten Schritt wollen wir überlegen, worin genau das, was aus Hemmung nicht aufs Blatt oder zum Abschluss gebracht werden kann, eigentlich bestehe: Denn wiewohl nicht ‹Texte› im gebräuchlichen Sinn, sind ‹geplante›, ‹rein gedankliche›, ‹stets aufgeschobene› etc. eben doch – süchtig wie krank machendem Rauch vergleichbar – nicht nichts.