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Slavisches Seminar

Urbane Fantastik. Russosphone Aneignung und Genretheorie

Das Dissertationsprojekt hat das Ziel, die russischsprachige Urban-Fantasy zu untersuchen. Mit ersten Publikationen gegen Ende der 90er-Jahre entfaltete sich die Urban-Fantasy zu einem populären Genre in Russland. Dabei verwendete die russischsprachige Urban-Fantasy auf der einen Seite slavische Mythen, die heute umgekehrt auch international Verbreitung finden, auf der anderen Seite eignete sie sich Narrative und Figuren anderer Kulturen und Literaturen an. Dieser internationale Transfer von popkulturellen Narrativen und Motiven soll im Zentrum meiner Analyse stehen.

Mit einer narratologischen und intertextuellen Analyse soll aufgezeigt werden, welche Rolle slavische Mythen für die Charakteristik russischsprachiger Urban-Fantasy spielen und wie diese Mythen in der internationalen Urban-Fantasy-Variation verbreitet werden. Deshalb werden sowohl Romane von russischsprachigen migrierten Autor:innen als auch Texte untersucht, die slavische Folklore und Mythologie innerhalb des Urban-Fantasy-Genres verwenden. Ausgangspunkt ist die Wächter-Saga von Sergej Luk'janenko und Romane russisch- und nichtrussischsprachiger Autor:innen wie Ilona Andrews, Alex Shvartsman, Ekaterina Sedia, Leigh Bardugo und Jim Butcher.

Neben der Analyse der klassischen Urban-Fantasy soll ein weiterer Transfer untersucht werden, und zwar die kritische Aneignung von Narrativen aus der Urban-Fantasy in die ‚Hochliteratur‘ durch den bekannten russischen Autor Vladimir Sorokin. Abschliessend ist das Ziel des Projekts, eine Genretheorie auszuarbeiten, die Urban-Fantasy nicht nur als hybrides Genre definiert, das sich aus Merkmalen unterschiedlicher Gattungen speist, sondern auch eine kulturelle Hybridität aufweist, weil Urban-Fantasy ein Schauplatz unterschiedlicher mythologischer Figuren und Narrative ist.

Doktorand: Artiom Christen

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Sylvia Sasse
Ko-Betreuerin: Prof. Dr. Christine Lötscher