Prof. Dr. Dr. h.c. Jules Angst, Emeritierter Professor für Klinische Psychiatrie
Verstorben am 15. Mai 2026 im Alter von 99 Jahren.
Jules Angst galt international als Pionier der klinischen psychopharmakologischen Forschung und als einer der bedeutendsten psychiatrischen Epidemiologen des 20. und 21. Jahrhunderts.
Jules Angst studierte an der Universität Zürich Medizin und wurde 1953 promoviert. Danach war er mit einigen Unterbrüchen zu Ausbildungszwecken und einem Aufenthalt als Forschungsassistent in London in verschiedenen Funktionen an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich tätig. 1966 habilitierte sich Angst mit einer vielbeachteten Arbeit zum Thema «Zur Aetiologie und Nosologie endogener depressiver Psychosen – Eine genetische, soziologische und klinische Studie» an der UZH und erhielt auf das Wintersemester 1966/67 die Venia legendi. Seine Antrittsvorlesung als Privatdozent mit dem Titel «Leerpräparate (Placebos) in Therapie und Forschung» hielt er Anfang Juli 1967. Im Oktober desselben Jahres wurde er zum Assistenzprofessor für Psychiatrie mit spezieller Berücksichtigung der Pharmakotherapie und 1969 zum Ordinarius für Klinische Psychiatrie ernannt. Von 1969 bis 1994 wirkte Jules Angst als Forschungsdirektor an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. 1994 wurde er emeritiert und gleichzeitig zum Honorarprofessor ernannt.
Jules Angst galt international als Pionier der klinischen psychopharmakologischen Forschung und als einer der bedeutendsten psychiatrischen Epidemiologen des 20. und 21. Jahrhunderts. Seine Arbeiten zu Depressionen und bipolaren Erkrankungen haben Generationen von Forschenden beeinflusst und prägen das Verständnis für diese Erkrankungen bis auf den heutigen Tag.
Seine Habilitation von 1966 zur Ätiologie und Nosologie endogener depressiver Psychosen gilt in der Fachwelt als Meilenstein der modernen Psychiatrie. In der Folge entwickelte er neue und verbesserte Diagnosekonzepte für bipolare Störungen. Auch in der Pharmakotherapie konnte er durch Wirksamkeitsstudien zu Lithium, Imipramin und Clozapin wegweisende Ergebnisse für die Wissenschaft erzielen. In seinen epidemiologischen Forschungen der letzten Jahrzehnte befasste er sich zudem schon früh mit den Wechselwirkungen zwischen Alkohol-, Drogen- sowie Tabakabhängigkeit und Kriminalität. Bekannt wurde Jules Angst auch mit seiner «Zürcher Studie», einer Langzeituntersuchung zur psychischen Gesundheit der Durchschnittsbevölkerung.
Für seine hervorragende wissenschaftliche Arbeit wurde Jules Angst mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Als begeisternder akademischer Lehrer hat er an der UZH viele Studierende und Nachwuchsforschende geprägt und unterstützt. Als Forscher war Jules Angst noch weit über seine Emeritierung hinaus aktiv.