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Völkerkundemuseum

Museums, Material Culture and Universities

Eine neue Publikation zur Ethnologie der DDR, von Mareile Flitsch und Karoline Noack

 

Mehr als 30 Jahre nach der «Wende» ist heute eine Betrachtung der Ethnologien und ethnologischen Museen von DDR und BRD als parallele, zeitgenössische, miteinander verflochtene und dennoch auch «systemkonkurrierende» Fach- und Forschungsgemeinschaften längst überfällig. Denn nach der Post-«Wendezeit» – als einer noch eher unscharfen Übergangsphase der relativen Neugierde aufeinander und sich eröffnender Möglichkeiten – wird inzwischen eine Lücke des akuten Nichtwissens über die DDR-Ethnologie nur allzu offensichtlich. Sie führte dazu, dass eine neue Deutungshoheit über das Fach gang und gäbe geworden ist, die Institutionen, Publikationen und Errungenschaften gar nicht kennt, und die die Zeitzeug*innen ignoriert. Es werden Redensarten des Kalten Krieges über «den Osten» da reproduziert, wo Archivrecherche, Kenntnisse der DDR- und BRD-Wissenschaftslandschaften der, Wissenschaftspolitiken und der Akteur*innen an Instituten und Museen, und mithin Kompetenzen des Verstehens von Publikationen und Ausstellungen und des verbliebenen akademischen Potentials, ein neues Licht auf die ethnologischen Theorie- und Forschungslinien werfen würden. Das Anliegen der Autorinnen ist es, entlang der kontrafaktischen Frage, welche Ethnologien einander 1989 hätten begegnen können, eine Standortbestimmung der ethnologischen Institute und Museen in ihrer zeitgenössischen Parallelität vorzunehmen, die die heutige Gleichzeitigkeit von Fach- und Museumskompetenzen zugesteht, und für künftige Forschende wie auch Projekte und Debatten erkennbar hält.

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More than 30 years after the "Wende" (the "Turning point") in 1989, a review of the social anthropology and ethnographic museums of the GDR and FRG as parallel, contemporaneous, closely entangled and yet equally "system competing" disciplines and research groups is long overdue. For, after the "post-Wende era" – as a still rather blurred transition period of relative curiosity about each other and emerging opportunities – the current acute ignorance about the GDR is all too obvious. It has resulted in a new sovereignty of interpretation about the discipline having become commonplace, one which knows very little about the institutions, publications and achievements, and which ignores time witnesses. Cold War figures of speech of times about "the East" are reproduced without thought, whereas archival research, knowledge about the GDR and FRG’s scientific landscapes, of the science policies and the actors at institutes and museums, and therewith competences of understanding publications and exhibitions and the remaining academic potentials, would shed new light on social anthropology’s theory and research lines. By using the counterfactual question of which social anthropologies could have encountered each other in 1989, the authors undertake a positioning of the ethnographic institutes and museums in their contemporaneous parallelisms, which acknowledges today’s simultaneity of disciplinary and museum competences, and which keeps it visible for future researchers, as well as for projects and debates today.

Mareile Flitsch

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